degustation.de | weinwissen.com | iconwines.de | talk-about-wine.de  
 
Werbung


10.05.2008 23:59:49   

Neue Seite 1

Alle Nachrichten aus den Jahren 1998 bis 2007  mit insgesamt mehr als 50.000 Stichworten von A wie Abruzzen bis Z wie Zweigelt.



Das grosse Online-Forum für Weinfreunde, Winzer, Profis aus Handel, Gastronomie, Medien und Wissenschaft mit mehr als 2.900 Mitgliedern und rund 90.000 Beiträgen zum Thema Wein.
zum Forum...

  • Weinexperte beantwortet Fragen zum Thema Wein.

  • Weindolmetscher übersetzt Fach- begriffe in 7 Sprachen.

  • Wein-ABC enthält über 5.700 Stichworte mit ausführlichen Erklärungen.

  • Wein im Web hilft Weinseiten im Internet zu finden.

 

UNSER TOP-THEMA
Göttinnen, Gurus und Gaga-Weine

von Mario Scheuermann

Wenn der Weingenuss zum Kult wird, hört für manche Weintrinker der Spass auf. Für andere beginnt er dann erst richtig. Die sogenannten Kultweine spalten die weltweite Gemeinde der Weinfreunde in zwei Lager.

Hauptsache Kult! Es sind nicht wenige Weinliebhaber, die ihren Konsum heute allein an dieser Maxime ausrichtet. Etikettentrinker werden sie etwas verächtlich von denen genannt, die sich für die wahren Connaisseurs halten. Diese fühlen sich so zu sagen als Gralshüter der Weinkultur. Dabei sind die anderen meist nichts anderes als hedonistische Spasstrinker, die sich mit Nebensächlichem nicht abgeben wollen.

Es ist ein wenig wie bei der old und der new economy. Die einen leben bzw. trinken ungeniert drauflos, Hauptsache es macht Spass, auch wenn man mal einem Blender aufsitzt. Die anderen wägen bedächtig ab, begnügen sich auch mal mit bescheidener Rendite und Landwein. Aber wenn sie die Korken knallen lassen, dann muss es Champagner für alle sein.

Spass beiseite. Die sogenannten Kultweine sind in aller Munde, wenn auch in vielen Fällen nur verbal bei einem der zahllosen Partygespräche über Wein. Und ebenso die vin de garage (Garagenweine), die Mikrocuvées und Megapremiums, die Boutique- und Designerweine. Meist wird das alles in einen grossen Topf geworfen. Dabei ist auch hier natürlich nicht alle Gold, was glänzt, und nicht alles, was modisch herausgeputzt daherstolziert, sollte man als Talmi abtun.

Seit der immer wieder zitierten RaboBank-Studie über die „Quality Segments in the Wine Industriy“, die Ende der 90er Jahre erschien, gibt es auch einen Fachterminus dafür: Icon-Wines. Der Anteil dieser Blue-Chips am Weinmarkt liegt bei unter einem Prozent, aber sie beherrschen die Schlagzeilen der Weinmedien, sind die Benchmarks des internationalen Weingeschmacks und damit auch langfristigen Trends unterworfen. Waren es früher eher elegante feinstrukturierte Clarets, die diese Position einnahmen, sind es heute eher hedonistische Blockbusterweine.

Am Anfang dieser Entwicklung stand die kleine Gruppe der historisch gewachsenen Kultwein. Der Primus inter pares dieser Spezies heisst Château Pétrus, ein aus der Rebsorte Merlot gewonnener Wein aus der Region Pomerol im Bordelais. Lange bevor Bordeauxweine hierzulande zum Status Symbol wurden avancierte er bereits zum Luxusobjekt. Dieser Wein verkörpert wie kein anderer diesen kapriziösen Glitzer-Status, ein Wein der Schönen und Reichen zu sein: sündhaft teuer und unglaublich gut.

Neben La Romanée Conti aus Burgund galt Pétrus immer als der teuerste Rotwein der Welt. Das war so auch solange korrekt, bis in den letzten zwei, drei Jahren die noch teurerer Australier und Kalifornier kamen. Die immer wieder kolportierte Geschichte, dass Pétrus erst in den 60er Jahren berühmt wurde, gehört also in den Bereich der Märchen, an denen die Weinschriftstellerei so reich ist. Tatsächlich entdeckte damals eine bestimmte kontinentale Klientel, aber auch Weinfreunde in Übersee diesen Wein. Die Preise blieben aber durchaus normal. Erst als Pétrus Anfang der 80er Jahre zum "ultimativen Snob-Wein" (Stuart Pigott), trieben diese die Preise auf immer neue stratosphärische Rekordmarken. Beim Studium der Listen mit den Auktionsergebnissen von Christie's in London wird deutlich, dass der erste grosse Spekulationsschub für die wichtigsten Pétrus-Jahrgänge erst zwischen 1979 und 1982 passierte.

Château Pétrus - Vater aller Kultweine

Wenn Pétrus so etwas wie der Vater aller Kultweine ist, dann ist Le Pin die Mutter aller Garagenweine. Mit der Welt der Automobile hat das wenig zu tun. Der grosskopferte Weinadel in der hochherrschaftlichen Schlössern des Médoc nannte so früher schon scherzhaft die kleinen Güter auf der anderen Seite der Gironde, deren pitoresken Wohnhäuser so eben mal ihren Vorstellungen einer Remise bzw. eine Garage entsprachen. Auf Le Pin trifft es allerdings auch im Wortsinn zu. Der Keller, in dem die Barriques lagern, befindet sich hinter einer ehemaligen Garage. In der stehen heute die Tanks für die Assemblage dieses Weins der mittlerweile genauso teuer ist wie Pétrus.

An Winzigkeit wird er inzwischen freilich von einem anderen übertroffen "Three Rivers" in Australien. Das ist noch kleiner, noch schäbiger. Eigentlich kaum mehr ein Wellblechschuppen mitten in der Wildnis. Daneben aber zwei Hektar des kostbarsten Weinbergsbodens Australiens, der Chris Ringland gehört dem Weinmacher von Rockford im Barossa Tal. Der ringt mit unglaublich niedrigen Erträgen dem Boden und den uralten Rebstöcken einen sagenhaften, seltenen und mehrere Hundert Dollar teuren Shiraz ab.

Manche dieser Garagenwinzer bleiben auf immer so klein, andere starten irgendwann durch und bauen ein richtiges Weingut auf wie Jim Clendennen in Kalifornien. Auch er produzierte seine ersten Jahrgänge sprichwörtlich in einer Garage. Heute besitzt er ein stattliches Weingut in Santa Barbara.

Beides – Kultweine und Garagenweine – haben eines gemeinsam. Dahinter steht eigentlich immer auch ein starker Wille zur Qualität und ein konkretes Stück Land ein zwar kleiner, aber hochwertiger Weinberg mit einem präzisen Terroir, das man nicht erweitern kann, ohne den Charakter des Weines zu verändern.

Ganz anders bei den Boutiqueweinen und den sogenannten Prestigecuvées, die oftmals Produkte internationaler Joint Ventures sind. Hier bestimmt in erster Linie der Schein das Sein: elegante Flasche, schickes Label, eine auf lifestyle getrimmt Verkaufsstrategie. Das Marketing bestimmt Stil und Qualität des Weins. Und wenn ein solches Prestigeprodukt erstmal zu einem hohen Preis weltweit eingeführt ist, wird flugs ein Über-Drüber-Wein lanciert, das noch teurer ist. Dem dann aber unweigerlich das ultimative Mistery-Cuvée folgt. Dass eine solche Preistreiberei den meisten Weinfreaks stinkt, ist nur zu verständlich. Viele vernünftige Händler lassen denn auch tunlichst die Finger von solchen Spielereien, mit denen man Prestigetrinkern das Geld aus der Tasche ziehen will.

Wesentlich ernster zu nehmen sind dagegen viele dee sogenanten Mikrocuvées aus Bordeaux aber auch aus Australien. Sie beruhen meistens auf einem eigentlich ganz alten Prinzip nämlich den Vieilles Vignes, die in Frankreich eine lange Tradition haben. Man nehme die besten Parzellen (blocks) mit den ältesten Rebstöcken und vinifziere diese separat. Ein, wie mir scheint, legitimes Verfahren, das durchaus zu interessanteren Weinen führen kann.

Was in Bordeaux und vor allem im Barossa Valley mit seinen bis zu 150 Jahre alten wurzelechten Syrahrebstöcken durchaus legitim sein mag, pervertiert in den letzten Jahren im Weinwunderland Kalifornien allerdings zu einer Groteske. Nichts beschreibt dies besser als die geradezu hysterischen Superlative der Prädikate, mit denen US-Wineries heute ihre Weine anpreisen. Auf Premium und Superpremium folgte Megapremium und inzwischen streitet man sich ob wir bereist bei Giga- oder Ultrapremium angekommen sind. Gaga wäre wohl der treffendere Ausdruck für diesen Irrsinn.

Zwei der berühmtesten kalifornischen Ultrapremiums

Aus winzigsten Weinbergsparzellen werden Kleinstmengen extrem konzentrierter Weine produziert und wenn ein Weinberg mal zu gross ist wird er geradezu atomisiert das heisst beispielsweise Terrasse für Terrasse geerntet, vinifiziert und gefüllt auch wenn es gar keinen geschmacklich relevanten Unterschied gibt Hauptsache sie sind dick, fett und konzentriert. Nach dem Motto jedem Start up Millionär sein eigenes Cuvée. Der Weinhandel wird dabei häufig umgangen und die Weine nur per Mailingliste ausgeliefert an Privatkunden von denen einige dann nichts Besseres zu tun haben als diese Weine mit möglichst grossem Gewinn zu verhökern. Da der amerikanische Weinguru Robert Parker, weltweit der einflussreichste Weinschreiber, diese Weine oftmals liebt und sie meist mit 95 bis 100 Punkten benotet, ist das auch kein Problem.

Treffen diese Weine aber wie vor zwei Jahren bei einer grossen Blindprobe in Hamburg einmal auf andere 100-Punkte-Weine, dann wird schnell deutlich, dass sie oftmals weder das Geld noch die Noten wert sind. So enttäuschte der legendäre Screaming Eagle und auch Maya zeigte sich nicht von seiner besten Seite. Überzeugend dagegen Harlan und vor allem Bryant Family. Bei anderen wie den in den Staates hochgelobten, in Europa aber kaum erhältlichen Marcassin Chardonnays von Helen Turley (laut Wine Spectator "the goodnes of wine") spricht sich unter Kennern allmählich herum, dass sie zwar im ersten Jahr, wenn Parker ihnen 100 Punkte gibt, sehr beeindrucken und lecker schmecken, aber spätestens nach fünf Jahren hinüber sind. Zu früh für eine wirklich grossen Wein.

Möchten Sie Ihre Meinung zu diesem Thema schreiben
oder interessieren Sie die Meinungen anderer Leser?

Hier gehts zum Diskussions-Forum talk about wine...


 

2000 Contado

Molise - Italien

Di Majo Norante
Campomarino (CB)

Note: 87 Punkte
 Vollständige Degustationsnotiz

DEUTSCHLAND
Oechsle-Rekorde

BORDEAUX 
Die 80er Jahre

Mario Scheuermann:
"Es gibt mehr Menschen, die sich eine Flasche Mouton leisten können, als das Château in der Lage ist zu produzieren." Zwölf Fragen an den Autor des Buches "Die grossen Weine des Jahrhunderts"

Robert Parker jr. :
"Meine Mutter ist eine gnadenlose Kritikerin." Das grosse Interview mit dem amerikanischen Weinkritiker aus dem Jahr 1995.

Michael Broadbent:
"Der deutsche Wein braucht eine Klassifikation." Der Senior Director des Londoner Auktionshauses Christie´s im Gespräch aus dem Jahr 1995.


Werbung

Genussblogs Awards

Jetzt wählen!

drinktank.blogg.de






Copyright © 1998 - 2008 Verlags- und Redaktionsbüro Mario Scheuermann
Mittelweg 30, D-20148 Hamburg. All rights reserved.
Datum der letzten Aktualisierung: 2006-11-01

Impressum | Mediadaten | Werbung