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TV-Reportage von Thomas Leif bringt deutsche Weinbranche mit manipulierten Zahlen ins Zwielicht
Monatelang recherchierte der Chefreporter des SWR Thomas Leif bei Winzern und in Kellereien, in Labors und Weinbergen mit dem Ziel die „Tricks der Weinmacher“ zu entlarven, Fälschungen und Manipulationen am Naturproduktes Wein öffentlich anzuprangern. Jetzt ist er selbst in die Schusslinie geraten.
Begleitet von einer vielfältigen PR-Kampagne wurde seine Doku-Reportage „Die Tricks der Weinmacher“ gestern Abend von der ARD ausgestrahlt. Gleichzeitig erschien ein grosses Interview in der Zeitschrift Weinwelt. Vorab gab es bereits einen Artikel aus der Feder des Autors in der Programmzeitschrift HÖR ZU. Immer stand eine Kernthese im Mittelpunkt: Verstösse gegen das Weingesetz sind keine Ausnahme sondern gehören zum Alltag der Branche. Diese Behauptung untermauerte Leif mit Zahlen aus dem Jahresbericht der Landesuntersuchungsanstalt (LUA) in Rheinland-Pfalz.
Jetzt wirft ihm die LUA vor dabei ihre Zahlen falsch ausgewertet zu haben. Um seine Thesen von der allgegenwärtigen Weinpanscherei zu untermauern hat Leif Zahlen des Amtes so dargestellt, dass sie seine Thesen stützten So heisst es u.a. in einer über das dpa-Tochterunternehmen "news aktuell" verbreiteten Ankündigung des SWR zur Sendung „Weinkontrolleure stellen bei jedem 5. Winzer "Weinverfälschungen" fest.“ Diese Zahl sorgte verständlicherweise in der Branche für einige Aufregung. Wie sich inzwischen herausstellte ist sie falsch. Und nicht nur diese Zahl. Bei exakter Betrachtung der Statistik zeigt ein ganz anderer Sachverhalt als Leif und derv SWR ihn dargestellt haben.
Fakt ist zum einen, dass in Rheinland-Pfalz, dem Bundesland mit der grössten Anbaufläche, 14.600 Betriebe jährlich von 26 Kontrolleuren überprüft werden. Tatsache ist auch, dass im vergangenen Jahr die zuständigen Lebensmittelchemischen Institute 1.050 von 5.533 untersuchten Proben beanstandet haben. Das ist ungefähr jede fünfte Flasche. Nur hat das eine mit dem andern nichts oder nur bedingt etwas zu tun. Es handelte sich bei den untersuchten Weinen nämlich nicht ausschliesslich um Proben rheinland-pfälzischer Weine wie der Anschein erweckt wurde, sondern um 4.003 Inlandsweine (davon ca. 90 Prozent aus Rheinland Pfalz) und 1.530 Auslandsweine.
Vor allem die Behauptung von Leif die häufigsten dabei festgestellten Verstösse gegen das Weingesetz seien die „Verwendung von Glycerin, die Aufzuckerung unter anderem mit Rübenzucker, der Einsatz von Aromastoffen, Farbstoffen und Wasser, die Überschreitung von Grenzwerten unter anderem bei schwefliger Säure oder Sorbin“ gewesen, stellte sich als falsch heraus. Genau das Gegenteil ist der Fall. Es sind dies die am seltensten in der Statistik genannten Beanstandungsgründe. Ganze vier deutsche und vier Auslandsweine waren beispielsweise mit Wasser versetzt. Der unerlaubte Zusatz von Zucker wurde bei lediglich 14 deutschen und einem Auslandswein festgestellt und bei den verbotenen Aromazusätzen wurden 15 deutsche und kein Auslandswein beanstandet.
Unterm Strich waren also nicht 20 Prozent der rheinlandpfälzischen Weine gepanscht, sondern ca. 4,5 Prozent der Inlandsweine und 1,5 Prozent der Auslandsweine. Dabei muss man aber berücksichtigen, dass der Begriff gepanscht in keiner Weise gesetzlich definiert ist. Man versteht darunter im wesentlichen die beiden Rubriken „Über- und Unterschreiten von Grenzwerten“ und „unzulässige Behandlungsstoffe und Verfahren“. Die signifikant höhere Zahl der hier beanstandeten deutschen Weine erklärt sich dadurch, dass von einzelnen Betrieben, in denen ein Anfangsverdacht besteht, meist mehrere Proben gezogen werden und dann oft auch mehrere Weine die ähnliche Beanstandungen aufweisen. „Wer z.B. mit Aromastoffen Wein behandelt macht das nicht einmal sondern ist meist Wiederholungstäter“, so Heinrich Koch, Leiter der Abteilung Lebensmittelchemie der LUA. Die häufigsten Beanstandungen waren im übrigen Verstösse gegen das Bezeichnungsrecht bzw. fehlerhafte Weine, also Delikte, die nicht unter dem Begriff der Panscherei subsummiert werden.
Auf Nachfrage teilte die Pressestelle des SWR am Abend mit, dass Thomas Leif bei seiner Darstellung bleibt.
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